Pilz des Monats - Mai

Pilzkurs bei Pilzfreundetreff - die mobile Pilzschule in Süd-Ost-Niedersachsen
Wegen des langen Winters hat sich hier und da die Morchelzeit um etwa zwei bis drei Wochen verschoben.
Daher präsentieren wir hier mit dem Maipilz einen weiteren “Pilz des Monats” für Mai.

Mairitterling, Georgsritterling, Mai-Schönkopf     (Calocybe gambosa)

Maipilz_1

Wegen seines jahreszeitlich frühen Erscheinens um den 24. April (Georgstag) herum, wird der Pilz in manchen Gegenden auch Georgsritterling genannt. Hier in Süd-Ost Niedersachsen wächst er erst von Anfang Mai bis etwa Mitte Juni. Nach milden Wintern ist er etwas früher, schon ab Ende April zu finden. Unabhängig vom Witterungsverlauf ist so um den 20. Mai herum ein recht sicherer Fundtermin Da dieser Pilz nur im späten Frühjahr bis zum Sommerbeginn wächst, kann dieser Pilz wie der grösste Teil aller einheimischen Pilze auf einer Frischpilzausstellung im Herbst nie gezeigt werden.  Nicht allein der weit verbreitete Glaube, dass es zur Erscheinungszeit dieses Pilzes noch keine Röhrlinge gäbe führte dazu, dass der Maipilz als sehr beliebter und begehrter Speisepilz gilt. Es gibt in unserer Region gar Pilzsammler, die überhaupt nur diesen Pilz als Speisepilz suchen und sammeln. Wegen seiner auffälligen, hellen Färbung ist er – vor allem im jungen Nadelwald - auch für ungeübte Pilzsammler leicht zu entdecken. Zudem wächst er stets gesellig, also in kleinen Gruppen oder Trupps, oft auch in Hexenringen oder Reihen über Jahre an denselben Stellen. Da hat man schnell eine komplette Mahlzeit zusammen. Nicht nur an grasigen Stellen und ebensolchen Wegrändern, sondern auch direkt im Rotbuchenwald ohne Krautschicht, Parks und mancherorts in Gärten, auf trockenen bis höchsten frischen Böden, manchmal zusammen mit der Speisemorchel ist er zu finden. Schwerer zu entdecken ist er in alten, trockenen Kalkbuchenwäldern mit dicker Laubschicht, da er diese kaum durchdringt, sondern manchmal nur anhebt. Diesen Pilz gezielt zu suchen lohnt sich nicht. Wer im genannten  Zeitraum nach Morcheln oder den ersten Röhrlingen Ausschau hält,  findet ihn so ganz nebenbei.  Der in allen Teilen fast immer schmutzig-weiße bis cremeweiße, festfleischige Lamellenpilz, ist in der Farbe aber nicht konstant. So gibt es bisweilen auch Sippen mit ocker- Maipilz-Details_1bis blassbräunlichen Hut. Junge Exemplare sind fast kugelig geschlossen, kahl und am Rand auch nach dem Aufschirmen noch längere Zeit eingerollt. Die auffallend eng stehenden, weisslichen bis cremeweißen Lamellen sind wie (auf dem Bild links) bei allen Ritterlingen ausgebuchtet angewachsen. Beim Betrachten dieses Lamellenansatzes von der Stielbasis her, kann man mit etwas Phantasie die Ausbuchtungen als „Burggraben“ interpretieren. Das hat übrigens dieser ganzen Blätterpilzgruppe den Namen Ritterlinge verliehen. Der kräftige, kurze Stiel ist sehr fest, mehr oder weniger zylindrisch und an der Basis oft etwas verjüngt. Ausser an diesen morphologischen Merkmalen und der frühen Erscheinungszeit ist er gut an dem sehr intensiven Geruch nach ( ranzigem ) Mehl und dem weissen Sporenpulver erkennbar.
Verwechselungsgefahren: Aber, Maipilzsammler leben gefährlich, denn hier sind besondere Vorsicht, Aufmerksamkeit und Sorgfalt geboten: Es gibt gleich mehrere Doppelgänger. So sollte sich der Unkundige vor allem mit den Risspilzen vertraut machen. Aus dieser Gattung stellt der lebensgefährlich giftige Ziegelrote Risspilz  ( Inocybe patouillardi - Bild unten)  den klassischen Doppelgänger dar, auf dessen Konto schon etliche Vergiftungen mit tödlichem Ausgang gekommen sind. Dieser auch Mairißpilz genannte Pilz kommt nicht nur an ähnlichen Stellen und teilweise zur gleichen Zeit vor, sondern ist gerade bei jungen Exemplaren ebenfalls weiß gefärbt. Erst (lange!) nach Verletzung, Druck oder auch bei Alterung erfolgt nach und nach der Farbumschlag nach dachziegelrötlich. Auch wenn keiner dieser gesamten Gattung für Speisezwecke in Frage kommt, die Gattung Risspilze sollte jeder Speisepilzsammler aus Sicherheitsgründen genau studieren. Am sichersten ist, sich dieses auf einem Pilzkurs bei Pilzfreundetreff zeigen und erläutern zu lassen. Risspilze haben nie einen Mehlgeruch und stets Ziegelroter Rißpilz Mai-Rißpilz_1tabakbraunes Sporenpulver. Der auch Mai-Rißpilz
(Syn. I. erubescens) genannte Pilz hat einen hohen Gehalt an dem giftigen Alkaloid Muscarin. Dieser kann abhängig von Fundort und Rasse stark abweichen. Die tödliche Giftmenge ist demnach je nach Muscaringehalt in nur 40 - 500 g Frischpilz enthalten.

Eine weitere Verwechselungsmöglichkeit besteht mit dem Riesen-Rötling (Entoloma lividum) Er ist der giftigste Vertreter der Gattung Rötlinge und kann schwere Magendarmsymptome verursachen. Entgegen der Behauptung verschiedener Pilzbuchautoren gibt es diesen Pilz nicht nur in Süddeutschland, sondern auch hier. (Wenn er in der „Pilzkartierung für Niedersachsen“ wie viele andere Arten nicht angeführt ist, liegt das einfach mit daran, dass es leider bislang in Deutschland keine Dachorganisation, also keinen Bundesverband für Pilzfreunde gibt.) Der Pilz wurde wiederholt von aufmerksamen Mitgliedern des Hildesheimer Pilzfreundetreffs (z.B. Herr Behrend) in den letzten Jahren gefunden, makroskopisch und mikroskopisch bestimmt und bei den zweiwöchigen Treffs den Mairitterlingen gegenüber gestellt. Bei diesem gefährlichen Doppelgänger sind die Lamellen zunächst auch weisslich, färben sich aber bei älteren Pilzen durch die rötlich-rosafarbenen Sporen deutlich rosa.  Fatal ist, dass dieser  Pilz ebenfalls nach Mehl riecht. Also: Vorsicht ist geboten! Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Bestimmungssicherheit bei Pilzen man nicht aus Büchern erlangen und sich schon gar nicht als Autodidakt aneignen kann. Der sichere Weg ist daher entweder die Pilze stehen zu lassen, sich die notwendigen Sachkenntnisse durch einen Pilzlehrfilm erläutern zu lassen oder an einem der Pilzseminare bei Pilzfreundetreff teilzunehmen. – Auch wenn Sie bereits einen soliden Pilzkenntnisstand von 50 oder 100 Pilzarten haben, dringend zu empfehlen ist jetzt der Besuch von Pilzkursen wie KURS I oder KURS III.  

Bei der geschmacklichen Beurteilung des Maipilzes scheiden sich übrigens die Geister wie nirgendwo sonst: Während einige Pilzfreunde ihn als wenig angenehm im Geruch und/oder Geschmack bezeichnen, heben ihn andere wiederum in den lukullischen Himmel. – Es bleibt also wie immer dem Finder nichts Anderes über, als seinen Fund selbst auf den individuellen Geschmackswert zu testen. Und bei vielen Pilzen ist bekannt, dass es auch noch auf die Zubereitungsart ankommt. Aber das ist nichts Neues, wie wir es ja von der Kartoffel her kennen: Ob Salzkartoffeln, Kartoffelbrei, Knödel, Pommes oder Chips, ich mag sie übrigens als Pellkartoffeln am liebsten.